Kaffeelexikon
Cold Brew
Cold Brew zubereiten: Verhältnis, Ziehzeit und Filtration
Was ist Cold Brew?
Cold Brew ist Kaffee, der 12 bis 18 Stunden in kaltem Wasser zieht statt heiß gebrüht zu werden, meist grob gemahlen im Verhältnis 1:8 im Kühlschrank. Weil kaltes Wasser weniger Säuren löst, schmeckt er milder als heiß gebrühter Kaffee und wird als Konzentrat vor dem Trinken mit Wasser oder Milch verdünnt.
Cold Brew
Parameter einstellen und Wassermenge berechnen.
100 g Kaffee · 1:8 · 16 Std. ziehen
- MahlenKaffee sehr grob mahlen – gröber als für French Press.
- AnsetzenKaffee mit 800 ml kaltem Wasser (2–6 °C) in einen Behälter geben und luftdicht verschließen.
- Ziehen16 Std. im Kühlschrank ziehen lassen – empfohlen sind 12–18 Std.
- FilternDurch Papierfilter oder feines Sieb abgießen – für ein klareres Ergebnis zweimal filtern.
- GenießenPur über Eis oder mit einem Schuss Milch. Gekühlt bis zu 14 Tage haltbar.
- Mahlgrad
- sehr grob (gröber als French Press, ca. 1000–1200 µm)
- Wassertemperatur
- 2–6 °C – kaltes Leitungswasser oder Kühlschrankwasser
- Ziehzeit
- 12–18 Std. bei 4 °C – länger als 20 Std. erhöht Bitterkeit
- Behälter
- luftdicht verschlossen im Kühlschrank
- Filtern
- Papierfilter oder feines Sieb – für klareres Ergebnis zweimal filtern
- Konzentrat verdünnen
- 1:1 mit Wasser oder Milch für ein trinkfertiges Getränk
- Haltbarkeit
- bis zu 14 Tage gekühlt – Aroma nimmt nach 7 Tagen ab
- Säuregehalt
- geringer als bei heiß gebrühtem Kaffee, schmeckt dadurch milder
- Ideale ExtraktionsausbeuteWie viel Prozent des Kaffeepulvers sich im Wasser lösen
- 19–25 %
- Ideale Stärke (TDS)Total Dissolved Solids: Anteil gelöster Kaffeestoffe im fertigen Getränk
- 1,3–1,8 % (Konzentrat: bis 4 %)
Was den Kaltaufguss mild, klar und haltbar macht
Woher kommt der Kaltaufguss?
Kalt zubereiteter Kaffee ist älter als der heutige Trend. In Japan ist der Kyoto-Kaffee bekannt: Eiskaltes Wasser tropft dort über Stunden langsam durch das Kaffeemehl. Oft wird erzählt, niederländische Händler hätten die Methode im 17. Jahrhundert nach Japan gebracht, belegt ist das aber nicht.
Das Ansetzen in kaltem Wasser, wie es diese Seite beschreibt, verbreitete sich ab den 1960er-Jahren. Der US-amerikanische Chemieingenieur Todd Simpson entwickelte damals das Toddy-System, ein Gefäß mit Filter, in dem der Kaffee kalt zieht und danach als Konzentrat abläuft. Seitdem steht Cold Brew vor allem für das lange Ziehen in kaltem Wasser, der Kyoto-Kaffee für das langsame Tropfen.
Warum braucht die Kaltextraktion groben Mahlgrad und viel Zeit?
Cold Brew funktioniert nur mit grobem Mahlgrad, weil die Extraktion nicht durch Hitze, sondern durch Zeit gesteuert wird. Grobe Partikel, vergleichbar mit grobem Meersalz, verlangsamen den Stoffübergang und verhindern eine Überextraktion, obwohl der Kaffee 12 bis 18 Stunden im Wasser zieht.
Die Partikelgröße bestimmt die Oberfläche, an der das Wasser lösliche Bestandteile aufnimmt. Kaltes Wasser löst weniger Säuren als heißes, deshalb stehen Süße und runde Röstaromen im Vordergrund.
Zeit ersetzt in diesem Prozess die Hitze. Ein zu feiner Mahlgrad führt dagegen zu Trübung, Sediment und bitterem Geschmack.
Technik-FaktDer pH-Wert von kalt und heiß gebrühtem Kaffee ist vergleichbar. Heiß gebrühter Kaffee enthält aber mehr titrierbare Säuren, deshalb schmeckt Cold Brew milder.
Wie bereitest du Cold Brew zu?
100 g grob gemahlener Kaffee, 800 ml kaltes Wasser und 12 bis 18 Stunden im Kühlschrank: Danach filterst du das Konzentrat und verdünnst es 1:1 mit Wasser oder Milch.
Ausrüstung und Zutaten
- Grob gemahlener Kaffee
- Kaltes, gefiltertes Wasser
- Gefäß mit Deckel
- Waage
- Filter (Papier oder Stoff)
- Brühverhältnis (Brew Ratio) 1:8, Spanne 1:5 bis 1:10
Zubereitung
- Kaffee sehr grob mahlen, gröber als für die French Press.
- Kaffee und kaltes Wasser im Verhältnis 1:8 gründlich vermischen.
- Gefäß verschließen und 12 bis 18 Stunden im Kühlschrank ziehen lassen.
- Langsam filtern, damit möglichst kein Sediment im Konzentrat bleibt.
- Das Konzentrat luftdicht verschlossen im Kühlschrank lagern.
Barista-TippRühre nur zu Beginn. Späteres Umrühren macht den Cold Brew trüber, ohne den Geschmack zu verbessern.
Welcher Filter macht Cold Brew klar und lange haltbar?
Die Filtration entscheidet über Klarheit, Mundgefühl und Haltbarkeit. Papierfilter entfernen fast alle Feinstpartikel und Öle, das Ergebnis ist sehr klar und leicht. Stofffilter lassen mehr Öle durch und ergeben ein volleres Mundgefühl, Metallfilter halten Sediment kaum zurück.
Sauber gefiltert und gekühlt hält Cold Brew bis zu 14 Tage, das Aroma lässt nach etwa 7 Tagen nach. Verbleibende Partikel können mikrobielles Wachstum begünstigen, deshalb ist saubere Filtration auch für die Haltbarkeit wichtig.
VorsichtTrüber Cold Brew verdirbt schneller, auch im Kühlschrank.
Welches Verhältnis für Konzentrat oder trinkfertigen Kaltaufguss?
| Ziel | Brew Ratio | Menge pro Liter | Verwendung |
|---|---|---|---|
| Kräftiges Konzentrat | 1:5 | 200 g Kaffee | mit Wasser oder Milch verdünnen |
| Standard | 1:8 | 125 g Kaffee | 1:1 mit Wasser oder Milch verdünnen |
| Trinkfertig | 1:10 | 100 g Kaffee | direkt über Eis servieren |
Wie servierst du das Konzentrat?
Das Konzentrat aus dem Standardverhältnis 1:8 wird vor dem Trinken 1:1 verdünnt. Kaltes Wasser erhält die Klarheit, Milch rundet das Profil ab. Eiswürfel aus gefiltertem Wasser vermeiden Fremdaromen.
Sensorik-Check
- Aroma
- schokoladig, nussig, mild
- Säure
- niedrig, weich
- Körper
- je nach Filter leicht bis voll
Was macht den Kaltaufguss flach oder bitter?
Ein flacher Geschmack entsteht meist durch zu kurze Ziehzeit oder zu groben Mahlgrad. Bitterkeit deutet dagegen auf zu lange Ziehzeit oder zu feine Partikel hin. Unterextraktion lässt sich durch längeres Ziehen ausgleichen, Überextraktion nur durch einen neuen Ansatz.
Fehlerbehebung
- Flach
- Ziehzeit verlängern
- Bitter
- gröber mahlen, Ziehzeit verkürzen
- Trüb
- feiner filtern
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