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Kaffeelexikon

Cold Brew

Geduldige Kaltextraktion über viele Stunden erzeugt ein mildes, rundes Aromenprofil mit geringer Säurebelastung.

Was ist Cold Brew?

Beim Cold Brew wird grob gemahlener Kaffee über viele Stunden in kaltem Wasser extrahiert. Durch dieses Verfahren lösen sich Säuren langsamer, was ein mildes, rundes Geschmacksprofil mit geringer Säurebelastung erzeugt.

Vom Mahlgrad zur Tasse: Zeit, Kontakt und Vielseitigkeit der Kaltextraktion

Inhalt

Warum sind grober Mahlgrad und lange Extraktionszeit entscheidend?

Cold Brew funktioniert nur mit grobem Mahlgrad, weil die Extraktion nicht durch Hitze, sondern ausschließlich durch Zeit gesteuert wird. Grobe Partikel, vergleichbar mit grobem Meersalz, verlangsamen den Stoffübergang und verhindern eine Überextraktion, obwohl die Kontaktzeit mit 12 bis 24 Stunden sehr lang ist. Partikelgröße bestimmt hier die Oberfläche, an der Wasser lösliche Bestandteile aufnehmen kann. Da kaltes Wasser eine geringere Löslichkeit besitzt, werden vor allem fruchtige Säuren und aggressive Bitterstoffe wie bestimmte Chlorogensäuren nur begrenzt extrahiert. Stattdessen dominieren Zucker, Maillard-Produkte und runde Röstaromen. Zeit ersetzt in diesem Prozess thermische Energie: Je länger der Kontakt, desto vollständiger die Extraktion, ohne dass Schärfe oder Adstringenz entstehen. Ein zu feiner Mahlgrad würde dagegen trotz Kälte zu Trübheit, Sediment und bitterem Geschmack führen.

Technik-Fact: Kaltes Wasser extrahiert etwa drei- bis viermal langsamer als heißes Wasser, weshalb Zeit der zentrale Steuerungsparameter ist.

Zubereitung eines kräftigen Cold-Brew-Konzentrats

Ein reproduzierbarer Workflow beginnt mit klar definierten Parametern und endet mit sauberer Filtration.

Equipment & Zutaten

  • Grob gemahlener Kaffee
  • Kaltes, gefiltertes Wasser
  • Gefäß mit Deckel
  • Waage
  • Filter (Papier oder Stoff)
  • Brew Ratio 1:4 für Konzentrat

Zubereitung

  1. Kaffee und Wasser im Verhältnis 1:4 gründlich vermischen.
  2. Gefäß abdecken und 12–16 Stunden bei Raumtemperatur oder im Kühlschrank ruhen lassen.
  3. Nach der Extraktion langsam filtrieren, um Sedimente vollständig zu entfernen.
  4. Konzentrat luftdicht gekühlt lagern.

Durch diesen Ablauf entsteht ein stabiles Konzentrat, das später individuell verdünnt werden kann.

Barista-Tipp: Rühre nur zu Beginn. Nachträgliches Umrühren erhöht die Trübung ohne sensorischen Vorteil.

Cold Brew Kanne mit integriertem Filtereinsatz, gefüllt mit Kaffee, AMORI COFFEE Logo oben rechts

Wie beeinflussen Filtermedium und Lagerung Geschmack und Haltbarkeit?

Filtration entscheidet maßgeblich über Klarheit, Mundgefühl und Haltbarkeit von Cold Brew. Papierfilter entfernen nahezu alle Feinstpartikel und Öle, was zu einem sehr klaren, leichten Ergebnis führt. Stofffilter lassen mehr Lipide durch und erzeugen ein volleres Mundgefühl, während Metallfilter Sedimente kaum zurückhalten und ein rustikales Profil erzeugen. Für längere Haltbarkeit ist saubere Filtration entscheidend, da verbleibende Partikel mikrobielles Wachstum begünstigen können. Gekühlt gelagert bleibt sauber gefilterter Cold Brew bis zu einer Woche stabil. Filtration beeinflusst damit nicht nur die Optik, sondern auch die mikrobiologische Stabilität und das sensorische Gleichgewicht.

Vorsicht: Trüber Cold Brew kippt schneller, auch bei Kühllagerung.

Brew Ratios und ihre praktische Anwendung

Ziel Brew Ratio Beispiel-Menge Verwendung
Konzentrat 1:4 250 g Kaffee / 1 l Wasser Verdünnen mit Wasser oder Milch
Ready-to-drink 1:10 100 g Kaffee / 1 l Wasser Direkt servieren
Mild 1:12 80 g Kaffee / 1 l Wasser Eiswürfel, Sommergetränke
Stark 1:3 300 g Kaffee / 1 l Wasser Cocktails, Milchmischungen

Fehlerkorrektur, Verdünnung und Servieren

Flacher Geschmack entsteht meist durch zu kurze Extraktionszeit oder zu groben Mahlgrad. Bitterkeit deutet dagegen auf zu lange Kontaktzeit oder feine Partikel hin. Unterextraktion lässt sich durch längere Ziehzeit ausgleichen, während Überextraktion nur durch Neuansatz korrigierbar ist. Beim Servieren wird Konzentrat typischerweise im Verhältnis 1:1 bis 1:2 verdünnt. Kaltes Wasser erhält die Klarheit, Milch rundet das Profil ab. Eiswürfel sollten aus gefiltertem Wasser bestehen, um Fremdaromen zu vermeiden.

Troubleshooting

  • Flach → Ziehzeit verlängern
  • Bitter → Mahlgrad gröber, Zeit verkürzen
  • Trüb → feinere Filtration wählen

Sensorik-Check

  • Aroma: schokoladig, nussig, mild
  • Säure: niedrig, weich
  • Körper: je nach Filter leicht bis voll

Cold Brew Brew Guide

Cold Brew – Brew Guide

Parameter einstellen und Wassermenge berechnen.

Parameter
100 g
8
16 Std.

Wassermenge
800
ml
Temperatur
2–6
°C (Kühlschrank)
Haltbarkeit
14
Tage (gekühlt)

Verhältnis-Einordnung
konzentriert · 1:5 1:10 · mild

Richtwerte
Mahlgrad sehr grob (gröber als French Press, ca. 1000–1200 µm)
Wassertemperatur 2–6 °C – kaltes Leitungswasser oder Kühlschrankwasser
Ziehzeit 12–18 Std. bei 4 °C – länger als 20 Std. erhöht Bitterkeit
Behälter luftdicht verschlossen im Kühlschrank
Filtern Papierfilter oder feines Sieb – für klareres Ergebnis zweimal filtern
Konzentrat verdünnen 1:1 mit Wasser oder Milch für ein trinckfertiges Getränk
Haltbarkeit bis zu 14 Tage gekühlt – Aroma nimmt nach 7 Tagen ab
Säuregehalt deutlich geringer als Heißbrühmethoden – schonend für den Magen
Ideale Extraktionsausbeute 19–25 %
Ideale Stärke (TDS) 1,3–1,8 % (Konzentrat: bis 4 %)

Lesetipps aus dem AMORI Kaffeelexikon

Vertiefe dein Wissen über kalte Brühmethoden und die Faktoren, die Extraktion, Milde und Balance beeinflussen.