Specialty Coffee. In Mainz geröstet

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Kaffeelexikon

Siebträgermaschine

Wasser unter 9 bar Druck: Der Mahlgrad entscheidet, wie gut der Espresso gelingt.

Was ist eine Siebträgermaschine?

Definition

Eine Siebträgermaschine ist eine Espressomaschine, die heißes Wasser mit etwa 9 bar Druck durch fein gemahlenen, festgedrückten Kaffee in einem Sieb presst, meist 18 g Kaffee zu 36 g Espresso in 25 bis 30 Sekunden. Der hohe Druck emulgiert die Kaffeeöle und erzeugt so die Crema, den feinen Schaum auf dem Espresso.

Brew Guide

Siebträgermaschine

Parameter einstellen und Bezugsmenge berechnen.

Parameter
18 g
7 g22 g
1:2 · Espresso
1:11:4
93 °C
90 °C96 °C
Dein Rezept
36 g Bezugsmenge (gewogen)

18 g Kaffee · 1:2 · 93 °C

Bezugsdruck9bar
Bezugszeit25–30Sekunden
SiebkorbDouble14–22 g
Ablauf
  1. VorwärmenSiebträger vorwärmen – ein kalter Siebträger senkt die Bezugstemperatur.
  2. Dosieren18 g fein gemahlenen Kaffee in den Siebkorb geben.
  3. TampenMit ca. 10–15 kg Druck waagerecht und gleichmäßig tampen – gleichmäßig ist wichtiger als fest.
  4. Pre-Infusion2–5 Sek. bei niedrigem Druck empfohlen – für eine gleichmäßigere Extraktion.
  5. Beziehen36 g in 25–30 Sek. beziehen – zu schnell: feiner mahlen, zu langsam: gröber mahlen.
Bezugsverhältnis-Einordnung
ristrettolungo
Richtwerte
Mahlgrad
fein (ca. 180–380 µm) – feiner als Filter, gröber als für Cezve
Single Basket
7–10 g Kaffeemenge – für Einzelportionen
Double Basket
14–22 g Kaffeemenge – Barista-Standard, gleichmäßigere Extraktion
Bezugsdruck
9 bar (Standard) – manche Röstungen profitieren von 6–8 bar
Pre-Infusion
2–5 Sek. bei niedrigem Druck empfohlen – gleichmäßigere Extraktion
Tampdruck
ca. 10–15 kg, waagerecht und gleichmäßig – gleichmäßig ist wichtiger als fest
Bezugszeit Ziel
25–30 Sekunden – zu schnell: feiner mahlen / zu langsam: gröber mahlen
Siebträger vorwärmen
immer – kalter Siebträger senkt die Bezugstemperatur
Temperatur (hell geröstet)
94–96 °C
Temperatur (mittel geröstet)
92–93 °C
Temperatur (dunkel geröstet)
90–91 °C
Ideale ExtraktionsausbeuteWie viel Prozent des Kaffeepulvers sich im Wasser lösen
18–22 %
Ideale Stärke (TDS)Total Dissolved Solids: Anteil gelöster Kaffeestoffe im fertigen Getränk
8–12 %

Die Espressomaschine in Geschichte und Handwerk

Wer hat die Espressomaschine erfunden?

Die Geschichte der Siebträgermaschine beginnt in Mailand. Dort ließ Luigi Bezzera 1901 eine Maschine patentieren, die Wasser in einem Kessel erhitzte und es mit dem entstehenden Dampfdruck durch das Kaffeemehl drückte.

Den nächsten großen Schritt machte Achille Gaggia. Er meldete 1938 ein Patent an, das statt Dampf heißes Wasser unter Druck nutzte, 1947 folgte sein Patent für einen Hebelkolben. Ein Espresso war damit in rund 30 Sekunden fertig, und zum ersten Mal entstand die Crema, die ihn bis heute auszeichnet.

Wie sich die Siebträgermaschine von anderen Verfahren unterscheidet, zeigt der Überblick über die Brühmethoden.

Warum bestimmt der Mahlgrad den Widerstand im Siebträger?

Je feiner der Mahlgrad, desto größer der Widerstand im Kaffeebett. Der Mahlgrad (fein, ca. 180–380 µm) ist deshalb die zentrale Stellschraube für die Druckextraktion und entscheidet, ob sich ein stabiler Puck bildet.

Ist der Mahlgrad zu grob, fließt das Wasser fast ungehindert durch, die Kontaktzeit wird kurz, und der Espresso wird dünn und sauer. Ist er zu fein, steigt der Widerstand stark an, der Bezug stockt, und der Espresso wird bitter und adstringierend.

Neben der Feinheit zählt die Gleichmäßigkeit. Eine gleichmäßige Partikelverteilung sorgt für stabilen Durchfluss, zu viele Feinpartikel begünstigen Kanalbildung. Eine gute Mühle gehört deshalb genauso zur Siebträgerzubereitung wie die Maschine.

Technik-FaktDer Brühdruck von etwa 9 bar entsteht nur, wenn der Kaffeepuck genug Widerstand bietet.

Wie bereitest du Espresso mit der Siebträgermaschine zu?

18 g Kaffee, 36 g Espresso in 25–30 Sekunden bei etwa 93 °C und 9 bar: Das ist das Standardrezept für einen doppelten Espresso. Schon kleine Abweichungen bei Dosis, Mahlgrad oder Tamping wirken sich auf Geschmack und Textur aus.

Ausrüstung und Zutaten

  • Siebträgermaschine mit stabiler Temperatur
  • Espressomühle
  • Frisch gerösteter Kaffee, fein gemahlen
  • Waage und Timer
  • Tamper
  • Brühtemperatur 90–96 °C, je nach Röstgrad
  • Bezugsverhältnis 1:2

Zubereitung

  1. Siebträger und Tasse vorwärmen. Ein kalter Siebträger senkt die Bezugstemperatur.
  2. 18 g Kaffee in den Doppelsieb dosieren.
  3. Das Kaffeemehl gleichmäßig verteilen und mit etwa 10–15 kg waagerecht tampen.
  4. Den Siebträger einspannen und den Bezug starten. Wenn die Maschine es kann, 2–5 Sekunden bei niedrigem Druck vorbrühen (Pre-Infusion).
  5. 36 g Espresso in 25–30 Sekunden beziehen.

Der Tampdruck soll gleichmäßig sein, nicht möglichst fest. Entscheidend ist eine ebene Oberfläche, die dem Wasser keinen bevorzugten Weg öffnet.

Barista-TippNicht jedes Sieb ist gleich groß. Die Kaffeemenge muss zum Sieb passen.
Siebträgermaschine mit Siebträger, Brühgruppe und Dampflanze, AMORI COFFEE Logo oben rechts

Wie entstehen Crema und Emulsion in der Espressomaschine?

Unter hohem Druck löst sich CO₂ aus dem frisch gerösteten Kaffee im Wasser. Beim Druckabfall bildet es feine Gasblasen, gleichzeitig werden die Kaffeeöle emulgiert, also fein verteilt und stabilisiert. Diese Emulsion gibt dem Espresso seine dichte Textur und trägt Aromen an die Oberfläche.

Die Bezugszeit von 25–30 Sekunden hat einen Grund: Kürzere Zeiten begünstigen Säure und Unterextraktion, längere Zeiten erhöhen Bitterkeit und trockene Noten. Die Balance entsteht aus Zeit, Druck und Temperatur.

Was unterscheidet Ristretto, Espresso und Lungo?

Mit steigender Wassermenge werden mehr Bitterstoffe gelöst. Ristretto betont Süße und Körper, Espresso Balance und Klarheit, Lungo Länge und Bitterkeit.

GetränkDosisGetränkemengeBezugsverhältnis
Ristretto18 g22–25 gca. 1:1,3
Espresso18 g36 g1:2
Lungo18 g50–60 g1:2,8 bis 1:3,3

Woran erkennst du Channeling im Kaffeepuck?

Der häufigste Fehler ist Kanalbildung (Channeling): Das Wasser findet bevorzugte Wege durch den Kaffeepuck. Ursachen sind ungleichmäßige Verteilung, ein schiefer Tamp oder stark streuende Mahlung.

Fehlerbehebung

Sauer, dünn
feiner mahlen, Dosis erhöhen
Bitter, trocken
gröber mahlen, Bezug verkürzen
Spritzender Bezug
Verteilung und Tamping prüfen

Sensorik-Check

Aroma
dicht, vielschichtig
Säure
präzise steuerbar
Körper
voll, cremig

Wie reinigst du Brühgruppe und Ventile mit dem Blindsieb?

Regelmäßiges Rückspülen mit Blindsieb entfernt Kaffeefette aus Ventilen und Brühgruppe. Rückstände von Kaffeeölen verändern sonst Geschmack und Extraktion.

VorsichtEine ungepflegte Maschine verfälscht auch gute Rezepte.

Lesetipps aus dem AMORI Kaffeelexikon

Vertiefe dein Wissen über Druck, Temperatur und Mechanik hinter der Espressoextraktion.